Langzeitstudie: Medienvertrauen in Deutschland steigt wieder

Langzeitstudie: Medienvertrauen in Deutschland steigt wieder

Es war eine Begleiterscheinung der Flüchtlingskrise: Das Medienvertrauen in der Bevölkerung begann zu bröckeln, der Schlachtruf der „Lügenpresse“ oder der „Fake News“ machte in den vergangenen Jahren vereinzelt die Runde.

Die Wahrnehmung hat sich geändert. Wie das Institut für Publizistik der Johannes Gutenberg Universität Mainz (JGU) im Rahmen einer Langzeitstudieunter 1.200 zufällig ausgewählten Erwachsenen Ende 2017 herausgefunden hat, ist das Vertrauen in den Journalismus wieder deutlich gestiegen.

Medienvertrauen deutlich gegenüber 2015 gestiegen

Das Institut für Publizistik wollte in seiner Umfrage etwa wissen, wie sehr Probanden den Medien vertrauen, wenn es „um wirklich wichtige Dinge geht – etwa Umweltprobleme, Gesundheitsgefahren, politische Skandale.“ Ergebnis: Während 2015 auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise nur 28 Prozent der Teilnehmer erklärten, dass sie „eher/voll und ganz“ den Medien vertrauten, schoss die Zustimmung im vergangenen Jahr auf 42 Prozent.

Gleichzeitig war ein Abebben der „Lügenpresse-Hysterie“ zu beobachten, die vor zweieinhalb Jahren ihren Höhepunkt erreicht hatte. Der Aussage „Die Bevölkerung in Deutschland wird von den Medien systematisch belogen“, stimmten per Ende 2017 56 Prozent der Befragten nicht zu; ein Jahr zuvor waren es mit 44 Prozent noch signifikant weniger.

Auch andere Mythen wurden zurechtgerückt: Bei der These „Die Medien und die Politik arbeiten Hand in Hand, um die Bevölkerungsmeinung zu manipulieren“ ist die Zustimmung etwa von 15 auf zwölf Prozent gesunken. 62 Prozent stimmen dagegen mit der Aussage nicht überein, immerhin 8 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr.

Vertrauen in Tageszeitungen ungebrochen hoch

Gleichzeitig bescheinigt die Langzeitstudie der Uni Mainz Tageszeitungen eine anhaltend hohe Vertrauenswürdigkeit: 66 Prozent der Befragten bezeichneten diese Art von Medien als „sehr/eher vertrauenswürdig“; einen moderat höheren Wert erzielte mit 72 Prozent nur das öffentliche Fernsehen.

Dagegen wurden die Inhalte aus den sozialen Medien, Videoplattformen oder Internetforen nur 2 bis 4 Prozent der Studienteilnehmer als vertrauenswürdig eingestuft. Und das, obwohl die Umfrage sogar noch vor Facebooks großem Datenskandal um Cambridge Analytica stattgefunden hat.

Die Debatte um Fake News und Hasskommentare zeigt Wirkung

Dass die Debatte um Fake News, die seit der US-Wahl 2016 immer intensiver geführt wird, Wirkung bei der Wahrnehmung von Inhalten hinterlassen hat, unterstreicht die große Zustimmung der Studienteilnehmer zu nachfolgenden Aussagen: 75 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass Hasskommentare im Internet eine echte Gefahr für die Gesellschaft darstellen. 74 Prozent äußern sich analog über Fake News. 69 Prozent sind der Meinung, dass der Staat Gesetze erlassen sollte, um Hasskommentare und Fake News gezielt zu bekämpfen.

Fazit: Während das Vertrauen in Inhalte, die auf Facebook & Co verbreitet werden, aktuell auf einem Allzeittief angekommen zu sein scheint, genießen Qualitätsnachrichten aus den Traditionsmedien wieder ein deutlich gestiegenes Vertrauen.

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Ein Beitrag von editorial.media

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2018-06-01T10:30:07+00:0031.05.2018|Kategorien: Aktuelles|