Dass die New York Times (NYT) so gut wie wohl keine andere Zeitung die digitale Transformation verstanden hat, ist kein Geheimnis. Quartal für Quartal kann man dem 167 Jahre alten Traditionsverlag dabei zusehen, wie es das Digitalwachstum steigert.

Die Geschäftsbilanz für den Dreimonatszeitraum von Anfang Oktober bis Ende Dezember glich indes einer digitalen Machtdemonstration. Stolze 265.000 Digitalabonnements konnte die New York Times in den letzten 92 Tagen des vergangenen Jahres hinzugewinnen – eine deutliche Steigerung gegenüber den Vorquartalen, als 203.000 bzw. 109.000 neue Abonnenten der Online-Ausgabe verbucht wurden.

Zahl der Digitalabonnenten in zwei Jahren verdoppelt

Per Ende 2018 bringt es die „Gray Lady“ damit bereits auf 3,4 Millionen Digital-Only-Abonnenten – ein Plus von 27 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Binnen nur zwei Jahren konnte die NYT die Anzahl ihrer Digitalabonnenten damit mehr als verdoppeln.

Inklusive der Printausgabe konnte die New York Times Ende des letzten Jahres gar 4,3 Millionen Abonnenten ausweisen. Beflügelt von den Zuwächsen gab Mark Thompson, CEO der New York Times Company, für die nächste Dekade ein neues ambitioniertes Ziel aus: Bis 2025 soll der Abonnentenstamm gar auf 10 Millionen wachsen.

Meilenstein: Erlöse durch Digitalwerbung überholen Printanzeigen

Auch in Dollar und Cent ist das rasante Digitalwachstum messbar. Erstmals in ihrer Geschichte konnte die NYT mit Anzeigen in ihrer Online-Ausgabe mehr erlösen als mit Print. Obwohl der Geschäftszeitraum im vierten Quartal 2018 eine Woche weniger umfasst als im Vorjahr, konnten die digitalen Werbeerlöse um stolze 31 Prozent auf 103 Millionen Dollar anziehen, während die durch Anzeigen erzielten Print-Umsätze um 6 Prozent auf 88,3 Millionen Dollar nachgaben.

Insgesamt verbuchte die NYT im vergangenen Geschäftsjahr mit Online-Werbung Erlöse in Höhe von 258 Millionen Dollar, während das digitale Abo-Geschäft sogar die 400 Millionen-Dollar-Marke durchbrach und damit bereits für 38 Prozent aller durch Abonnements erzielten Erlöse verantwortlich ist. Insgesamt (Abonnements und Werbung) macht das Digitalgeschäft bereits 40 Prozent am gesamten Konzernumsatz im vergangenen Geschäftsjahr aus.

Aktie auf 14-Jahreshoch nach starker Bilanz

Auf Jahressicht betrachtet legten die Umsätze des US-Verlagshauses um rund 4 Prozent auf 1,75 Milliarden Dollar zu, während die Nettogewinne von 6,8 auf 127,5 Millionen Dollar förmlich explodierten. Allein im Weihnachtsquartal verwandelte sich der Nettoverlust des Vorjahres von 57,8 Millionen Dollar in einen Gewinn von 56,97 Millionen Dollar.

Die Belohnung folgte umgehend an der Wall Street. Die sich ohnehin seit Jahren im Steigflug befindende Aktie der New York Times Company setzte Anfang Februar in Reaktion auf das starke Zahlenwerk zu einem Kurssprung von mehr als 12 Prozent an nur einem Handelstag an. Bei inzwischen 31 Dollar notieren die Anteilsscheine auf dem höchsten Stand seit 2005 auf einem 14-Jahreshoch.

Eine Märchenstunde aus „Tausendundeiner Mediennacht“

„Knapp 30 Prozent mehr Abonnenten, 120 neue Redakteure – eine unglaubliche Erfolgsgeschichte. Klingt wie eine Märchenstunde aus Tausendundeiner Mediennacht“, bilanzierte der frühere Spiegel-Chefredakteur Mathias Müller von Blumencron das vergangene Geschäftsjahr der für viele besten Zeitung der Welt.

“Dass wir langfristig denken, ist der Grund, warum wir in einer Zeit, in der viele andere journalistische Organisationen im Niedergang sind, ein beispielloses Wachstum erleben”, ordnete Herausgeber Arthur Gregg Sulzberger, Sohn der Verlegerlegende Arthur Ochs Sulzberger, selbst den Erfolg der „Grey Lady“ ein. Vom „Scheitern“, das US-Präsident Trump der NYT in seinen Tweets so gerne andichten möchte, ist in der Bilanz dagegen nicht ein Fünkchen zu erkennen.

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Ein Beitrag von editorial.media

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