Zeitschriften in Deutschland

Zeitschriften in Deutschland

Der deutsche Pressemarkt ist [wahrscheinlich] einmalig vielfältig aber auch entsprechend unübersichtlich. Insbesondere der Zeitschriftenmarkt ist eine äußerst bunte Black Box. Das wird vielleicht nirgendwo deutlicher, als in der einfachen Frage, wie viele Publikumszeitschriften in Deutschland verlegt werden. Der Zeitschriftenverlegerverband VDZ nennt hier eine Zahl von rund 1.600 – große Bahnhofsbuchhandlungen präsentieren aber bis zu rund 8.000 Magazintitel.

Ein Teil dieser Differenz beruht auf Definitionsfragen. Das Institut für Pressefor-schung, auf dessen Marktbeobachtung die Zahl des VDZ beruht, zählt nur deutsche Titel, die mindestens vierteljährlich erscheinen und die aktuelle journalistische Inhalte publizieren. Der Bahnhofsbuchhandel verkauft auch viele ausländische Titel und nicht nur Presse im engen Sinn, sondern auch Rätselmagazine, Romanhefte oder Comics.

Das Institut für Presseforschung hat für das letzte Jahr 85 Neuerscheinungen ermittelt, die seiner engen Definition entsprechen. pv digest analysiert wöchentliche Informationsschreiben von Grossofirmen an die von ihnen belieferten Einzelhändler und zählt die zum ermäßigten Mehrwertsteuersatz neu angekündigten Titel. Diese in den monatlichen ‚Data Cockpits‘ von pv digest analysierten Titelneuankündigungen summieren sich auf etwa 2.000 Neuankündigungen pro Jahr, von denen über 350 mehrmals jährlich erscheinen. Das ist das Vierfache der vom Institut für Presseforschung erfassten Neutitel-Anzahl.

Ein Teil der Differenzen bei solchen Marktdaten ist weniger auf Definitionsfragen zurückzuführen, als auf den unübersichtlichen Markt und dessen dezentrale Struktur. Es dürfte nicht wenige Zeitschriften geben, die den Presseforschern schlicht nicht auffallen, weil sie irgendwo in Deutschland erscheinen und dabei am Radar einzelner Marktbeobachter vorbeisegeln. Vollständig ist auch unser eigener Marktüberblick keinesfalls. Wir stützen uns für unsere Analysen auf eine Quellenstichprobe, die sich in den letzten Jahren bewährt hat.

Eine neue Quelle für Marktanalysen zum Angebot im deutschen Presseeinzelhandel stellt nun das Büro Bardohn zur Verfügung, ein im Verlagsbereich seit Jahren bestens vernetztes und spezialisiertes Beratungsunternehmen. Auf Basis öffentlich zugänglicher Daten hat das Unternehmen eine Datenbank mit Basisinformationen zu im grossobelieferten Einzelhandel angebotenen Zeitschriften (Titelsegment, Verkaufspreis, Erscheinungsweise) zusammengetragen und mit anderen Daten wie der IVW-Auflage und dem herausgebenden Verlag der Zeitschriften (nur bei Titeln mit IVW-Meldung) verknüpft. Das Büro Bardohn hat pv digest einen Einblick in den aktuellen Stand (Ende 3. Quartal 2017) seiner Datenbank gegeben, der uns einen in dieser Form ungekannten Überblick über das im deutschen Pressehandel verfügbare Angebot ermöglicht.

Insgesamt werden in Deutschland demnach außerhalb des Bahnhofsbuchhandels 5.875 Zeitschriftentitel zum Verkauf angeboten. Eingeteilt gemäß der Ehastra-Objektgruppensystematik, beschäftigen sich die meisten dieser Titel mit dem sehr weiten Themenbereich Hobby, Wissen & Kultur. Die zweitgrößte Gruppe sind schon Romane&Rätsel, die die definitionsstrengen Wissenschaftler vom Institut für Presseforschung gar nicht als Presseobjekte zählen. Drittgrößte Gruppe sind Frauenzeitschriften. Unter die übrigen Segmente fallen hier beispielsweise Modetitel (374), Sport- (344) oder Autozeitschriften (272) aber auch 289 Titel aus dem Paradesegment Politik und Wirtschaft. Die kleinste Gruppe ist zugleich eine der umsatzstärksten: Nur 57 Zeitschriften sind der Programmpresse zuzuordnen.

Zu diesen 5.875 Magazintiteln hinzu kommen noch 538 Zeitungstitel, die ebenfalls in deutschen grossobelieferten Presseverkaufsstellen angeboten werden. Davon sind 438 regionale Titel, 72 ausländische Zeitungen und der Rest überregionale Titel und Sonntagszeitungen.

Die meisten Zeitschriften erscheinen an einem Wochentag zwischen Dienstag und Freitag; montags erscheinen noch sehr viel weniger Titel als an Samstagen.

Die Mehrzahl der fast 6.000 verkauften Zeitschriften erschei-nen entweder einmal pro Jahr oder aber monatlich oder zweimonatlich. In der Tendenz gilt: je häufiger eine Zeitschrift erscheint, desto geringer ist der Verkaufspreis. Allerdings werden in Deutschland zahlreiche halbjährlich erscheinende fremdsprachige Titel, insbesondere Modezeitschriften, angeboten, die zu extrem hohen Preisen verkauft werden und die den Preisdurchschnitt in dieser Kategorie weit nach oben treiben. Halbjährlich erscheinende Titel sind im Schnitt teurer als jährliche Objekte.

Da der Zusammenhang zwischen Erscheinungsweise und Preis sehr stark ist, macht eine Betrachtung des Preisniveaus je Zeitschriftensegment nur Sinn, wenn man sich dabei auf Titel mit gleicher Frequenz beschränkt. Analysiert man Titel, die monatlich erscheinen, dann zeigt sich, dass monatliche Modezeitschriften mit durchschnittlich 11,60€ doppelt so teuer angeboten werden, wie monatliche Frauenzeitschriften. Typische Männermonatstitel, also monatlich erscheinende Zeitschriften aus den Segmenten Sport, Computer und Motorpresse kosten rund 7€ oder 8€. Monatliche TV-Zeitschriften gehören dagegen mit nur 1,40€ durchschnittlichem Copypreis allesamt der Billigpresse an.

Während zwischen Erscheinungsweise und Preis ein deutlich erkennbarer Zusammenhang besteht, ist gar kein Zusammenhang erkennbar zwischen der Höhe des Verkaufspreises und der Anzahl der Titel, die zu diesem Preis angeboten werden. Unter den 20 meistgewählten Verkaufspreisen für Zeitschriften in Deutschland liegt der häufigste Preispunkt (4,99€) in etwa mittig zwischen dem niedrigsten Preis (1,50€) und dem höchsten Preis (9,90€).

 

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Ein Beitrag von pv-digest

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2018-01-12T16:56:43+00:00 06.11.2017|Kategorien: Aktuelles|