Studie: Wer abonniert kostenpflichtige News – und warum?

Studie: Wer abonniert kostenpflichtige News – und warum?

Es ist die Gretchenfrage zur Zukunft des Journalismus: Inwieweit sind Leser im Zeitalter des News-Overkills in den sozialen Medien noch bereit, für Inhalte zu bezahlen und kostenpflichtige Abonnements abzuschließen? Das American Press Institute hat Anfang des Jahres dazu eine groß angelegte Untersuchung unter 2.199 amerikanischen Erwachsenen mit Tiefeninterviews durchgeführt.

Wichtigste Erkenntnis der Studie: Immerhin 53 Prozent der befragten US-Amerikaner gaben an, für News-Inhalte zu bezahlen. Dazu zählen neben Zeitungen und Magazinen Online-Medien und News-Apps (Kabelfernsehverträge, die Nachrichtensender mit beinhalten, wurden nicht berücksichtigt).

Mit 54 Prozent gibt der Großteil der Befragten, die bereit sind, für journalistische Inhalte zu bezahlen, Geld für ein Zeitungsabonnement (Print oder Digital) aus. Interessante Unterteilung dabei: 58 Prozent der Käufer bezahlen eher für Print-Inhalte, während lediglich 28 Prozent eher Geld für digitalen Content ausgeben (4 Prozent sind unentschieden). 53 Prozent der Online-Abonnenten geben zudem an, noch nie für die Printausgabe des Mediums bezahlt zu haben.

Wie steht es um die Zahlungsbereitschaft?

Interessanterweise spielt das Alter bei der Zahlungsbereitschaft bzw. der Wahl des Mediums eine entscheidende Rolle. So beziehen nur 37 Prozent der 18- bis 34-Jährigen Abonnements von News-Medien – im Vergleich zu 59 Prozent der 50- bis 64-Jährigen. Facebook und andere soziale Medien, die von der jüngeren Zielgruppe bevorzugt genutzt werden und Inhalte kostenlos anbieten, kosten Qualitätsmedien offenbar Abonnenten – allerdings weniger als gemeinhin erwartet.

Gleichfalls kommt der Präsenz von Verlagen auf Facebook eine nicht zu unterschätzende Bedeutung zu: Zwei Drittel der 18- bis 49-Jährigen gaben an, das weltgrößte soziale Netzwerk mehrfach am Tag zu nutzen und sich wegen der editorialen Inhalte, die sie auf Facebook entdeckt hätten, für ein späteres Abonnement des Verlags zu entscheiden.

Auf den Inhalt kommt es an

Der Hauptgrund, warum ein Leser zahlender Abonnent wird, liegt in der Expertise des Mediums in bestimmten Themengebieten; auch der Anspruch, ein informierter Bürger zu sein, ist Treiber für den Abschluss eines Abonnements (vor allem bei Tageszeitungen). Wer dagegen nicht bereit ist, für journalistische Inhalte zu bezahlen, tut dies nicht zwangsläufig aus Desinteresse, sondern weil er nach bestimmten (kostenlosen) News selbst aktiv sucht. Erstaunliche 52 Prozent der Befragten, die nicht bezahlen, sind sogenannte „News Seeker“.

Weitere Erkenntnis der Studie: Verlage könnten vermutlich stärker an der Preisschraube drehen. Nur zehn Prozent der Befragten empfanden ihr Abo als überteuert. Die Mehrzahl ist dagegen der Meinung, preiswert bedient zu werden. Vor allem Abonnenten von Digitalangeboten (48 Prozent) waren der Meinung, ein sehr gutes Preis-Leistungsverhältnis zu bekommen.

Chancen für Verlage

Insgesamt bietet der digitale Paradigmenwechsel für Verlage also große Chancen, weil grundsätzlich durch alle Altersklassen Zahlungsbereitschaft besteht –  der Leser muss sich nur hinreichend angesprochen und mitgenommen fühlen.

Für Verlage bedeutet das: „Obwohl Print bei den Zeitungsabonnenten dominiert, hängt die Zukunft der Zeitungen davon ab, dass sie mehr digitale, junge Leser gewinnen, während sie die Beziehung zu den existierenden Printlesern erhalten“, folgert das American Press Institute. „Wer eine singuläre Strategie – für Print oder Digital – verfolgt oder eine duale Strategie zu entwickeln verpasst, wird vermutlich scheitern“, so das Fazit der Studie. Das gleiche dürfte für Magazine gelten.

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Ein Beitrag von editorial.media

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2017-07-14T14:36:27+00:00 09.06.2017|Kategorien: Aktuelles|